Die Sparte Handel im Porträt

  • Der Handel ist ein sehr bedeutender Faktor in Österreichs Wirtschaftslandschaft. So sind rund 582.000 Personen in dieser Sparte beschäftigt. Das sind fast 25% aller unselbständig Erwerbstätigen in Österreich. Auch bei den Lehrstellen liegt diese Sparte ganz weit vorne. So erhalten aktuell knapp 22.000 Lehrlinge ihre Ausbildung in dem Handel zugehörigen Betrieben.

    Unternehmensseitig zählt man rund 78.000 Firmen, wobei hier sowohl der Großhandel als auch der Detailhandel gemeint sind. Als Großhandel werden jene Handelsunternehmen bezeichnet, die ihre Produkte an gewerbliche Kunden vertreiben. Beim Detail- oder Einzelhandel sind Konsumenten die Abnehmer der Waren.

    Wirtschaftlich betrachtet geht es der Sparte recht gut. Der Sektor zeigt beim Einzelhandel eine anhaltende Aufwärtstendenz in den vergangenen Jahren. So wurden im letzten Jahr rund 70 Milliarden Euro im Detailhandel erwirtschaftet. Jedoch sorgen die steigenden Online-Umsätze (etwa 10% der Einzelhandelsumsätze) und steigende Kosten für einen Rückgang der Verkaufsflächen.

    Der Großhandel kämpft bereits seit Jahren mit Rückgängen, da diese Zwischenhandelsstufe immer weniger in Anspruch genommen wird. Dennoch betrug der Gesamtumsatz des österreichischen Großhandels 148 Milliarden Euro im Jahr 2016.

    Die Sparte Handel weist eine Vielzahl an Unterschieden auf. So wird nach Branchen, nach Sortiment, nach Flächenintensität, nach dem Ort des Handels und nach der Anzahl der Betriebsstätten unterschieden.

Unterscheidung nach Branchen

  • Bei der Unterscheidung nach Branchen, und hier ist der Großhandel ausgenommen, wird zwischen Einzelhandel im engeren Sinn und Einzelhandel im weiteren Sinn differenziert. Unter ersteren fällt beispielsweise der Handel mit Möbeln, Bekleidung, Lebensmitteln oder Kosmetik. Unter Einzelhandel im weiteren Sinn ist der Handel mit KFZ, der Betrieb von Tankstellen oder das Betreiben von Apotheken gemeint.

Unterscheidung nach Sortiment

  • Der Umfang des Sortiments gilt in diesem Fall als Kriterium. So vertreibt ein Vollsortimenter die gesamte Produktpalette einer Branche. Ein Spezialgeschäft hingegen führt einen Teilbereich einer Branche.

Unterscheidung nach Flächenintensität bzw. Betriebsformen

  • Die kleinste Fläche benötigt der sogenannte Automaten-Verkauf. Darunter versteht man den Vertrieb über Automaten, die rund 1 m² Fläche beanspruchen. Bei Shop-Zonen hingegen handelt es sich um Laden-Bereiche in Tankstellen, Raststätten oder an anderen stark frequentierten Orten. Hierfür werden in der Regel bis zu 100 m² benötigt.
     
    Beim Lebensmittel-Bedienungsgeschäft handelt es sich um die nächstgrößere Kategorie. Dies ist ein auf in Bedienung spezialisierter Einzelhandelsbetrieb mit weniger als 200 m² Verkaufsfläche.

    Danach folgt der Lebensmittel-SB-Markt, der eine Fläche von 200 – 400 m² aufweist und ein eingeschränktes Sortiment an Frischwaren und Non-Food Artikeln in Selbstbedienung anbietet.

    Als nächste Größe gelten Supermärkte. Mit einer Fläche von 400 bis 1500 m² bieten sie ein umfangreiches Sortiment von bis zu 11.000 Artikeln.

    Zu guter Letzt kennt man den Verbrauchermarkt, der überwiegend Lebensmittel bei einem 25% Anteil an Non-Food Artikeln anbietet. Die Fläche beträgt bis zu 5.000 m².

    Insgesamt ist ein stetiger Rückgang der Verkaufsflächen zu verzeichnen, dem steigenden Internetumsatz geschuldet. Allein der Modehandel (ausgenommen Schuhe) und die Drogerien vergrößern ihre Verkaufsflächen.

Unterscheidung nach dem Ort des Handels

  • Man unterscheidet zwischen stationärem Handel (Ladengeschäft), ambulantem Handel (auf Märkten oder Haustürgeschäfte) sowie Versandhandel (wie eCommerce, Tele-Shopping).

Unterscheidung nach der Anzahl der Betriebsstätten

  • Bei Vorhandensein einer Betriebsstätte spricht man von einem Einbetriebsunternehmen. Sind mehrere Lokalitäten vorhanden, bezeichnet man die Firma als Mehrbetriebsunternehmen.

Online-Handel

  • Zum Abschluss soll noch ein wesentlicher Faktor hervorgehoben werden, nämlich die Digitalisierung. Denn so vielfältig der Handel ist, so ist es in den vergangenen Jahren sehr deutlich geworden, dass sich alle Spartenteilnehmer mit dieser Herausforderung konfrontiert sehen.

    Auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) müssen sich dieser Herausforderung stellen und sollten sich dem Onlinehandel nicht verschließen. Denn die im Internet getätigten Anteile der Einzelhandelsumsätze werden auch in den nächsten Jahren weiter ansteigen, „Derzeit werden rund zehn Prozent der Einzelhandelsumsätze im Internet getätigt", konstatiert Christoph Klein, Direktor der AK Wien. In den nächsten 10 Jahren könne die Zahl leicht auf 15% steigen.

    Die Digitalisierung beeinflusst nicht nur die Gestaltung des Geschäftsmodells, also wo und wie man seine Produkte verkauft, sondern unter anderem auch die Logistik, die Kundenansprache sowie die Gestaltung der Ausbildung.
     
    Letztere hat sich die österreichische Bundesregierung im Rahmen ihrer Digitalisierungsinitiative für Lehrberufe zur Aufgabe gemacht. Mit dem Schwerpunkt „Digitaler Verkauf“ wurde ein neuer Fokus in der Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann geschaffen.

Fact Box

    • 582.000 Arbeitsplätze – das sind mehr als 25% aller unselbständig Erwerbstätigen.
    • 78.000 Unternehmen
    • 218 Milliarden EURO Umsatz durch Einzelhandel und Großhandel im Jahr 2016.
    • Differenzierung nach Branchen, Sortiment, Flächenintensität, Ort und Anzahl der Betriebsstätten.

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