Regionale Besonderheiten

Wo sich Österreichs KMU am wohlsten fühlen

  • Die Ansiedelung der Betriebe in Österreich ist von Schwerpunkten geprägt. So weist beinahe jedes Bundesland spezielle Eigenheiten in der Betriebsansiedelung auf. Die Gründe dafür sind zahlreich, seien sie topographischer Natur oder durch klimatische Gegebenheiten begründet. Sie können auch durch historische Entwicklungen oder durch Rohstoffvorkommen bedingt sein. Und zu guter Letzt spielt auch die Finanzkraft bei der Auswahl des Standortes eine Rolle.

    Betrachtet man die österreichischen Regionen im Hinblick auf die Zahlen, führt Wien fast alle Statistiken an. So liefert es den größten Anteil an der Gesamtbruttowertschöpfung, das ist jener Ertrag, der von allen Betrieben erwirtschaftet wird, abzüglich der Kosten, die durch die Produktion bzw. Dienstleistungserbringung entstehen. Im Detail sieht es allerdings etwas anders aus, denn im produzierenden Bereich liegt etwa Oberösterreich vor Niederösterreich und der Steiermark an der Spitze – Wien befindet sich erst auf dem vierten Rang. Dies ist überwiegend darauf zurückzuführen, dass für den produzierenden Sektor oftmals großer Platzbedarf für Produktionsstätten besteht. Topographische Gegebenheiten, wie ausreichender Platz und ebenes Gelände, sind die idealen Voraussetzungen.

    Topographische Spezifika in Kombination mit Klimaverhältnissen spielen ebenso eine Rolle bei der Standortansiedelung. So sind beispielsweise für den Weinbau ein besonders mildes, sonniges Klima und eine spezielle Bodenbeschaffenheit von Vorteil. Es ist daher nicht überraschend, dass Niederösterreich, das Burgenland und die Steiermark eine besonders hohe Dichte an weinproduzierenden Betrieben in Österreich aufweisen.

    Die historische Entwicklung stellt einen weiteren Grund für die Vielzahl an Betrieben verwandter Art innerhalb eines geografischen Sektors dar. So ist es beispielsweise Vorarlberg, das für Textilbetriebe bekannt ist. Begründet ist dies dadurch, dass die Kompetenz, die über jahrhundertelange Heimarbeit erworben wurde, in der Phase der Industrialisierung einen massiven Wissensvorsprung bedeutete. Überdies hatte man sich durch die Nähe zur Schweiz deren Techniken abgeschaut und übernommen. Durch die Ansiedelung Schweizer Textilbetriebe in Vorarlberg während der Monarchie konnte Vorarlberg seine führende Rolle ausbauen und bis heute wahren.

    Rohstoffvorkommen spielen eine weitere Rolle für die Standortwahl. So sind es etwa die Steiermark und Oberösterreich, die, bedingt durch die Erzstrasse, Schwerpunkte in der Eisen- und Stahlindustrie aufweisen. In der Holzindustrie wiederum findet man die größte Dichte in Salzburg, Tirol und Kärnten.

    Abschließend sei noch die Finanzkraft als Auswahlkriterium erwähnt. Wien als einwohnerstärkstes Bundesland mit der höchsten Wertschöpfung gilt beispielsweise als besonderer Anziehungspunkt für den Finanzsektor. Doch auch grenznahe Bundesländer, wie etwa Vorarlberg und auch Salzburg, sind ein beliebter Standort für diese Branche. Aufgrund steuerlicher Gegebenheiten bzw. wegen des Bankgeheimnisses gelten Österreichs Privatbanken und Vermögensverwalter als beliebte Alternative für finanzkräftige Personen aus dem grenznahen Ausland.